Etwas zur Geschichte der Medizin
Was unterscheidet die Schulmedizin des Arztes von der Naturheilkunde des Heilpraktikers?
Arzt und Heilpraktiker sind die zwei in Deutschland legal praktizierenden Heilberufe. Die
Wurzeln beider Berufe gehen auf eine weit zurückliegende gemeinsame Geschichte zurück.
In allen Kulturen gab und gibt es Menschen, die mit überliefertem Wissen aus der Volks- und
Naturheilkunde anderen Menschen heilend zur Seite stehen. Oft haben diese Menschen besondere
persönliche Fähigkeiten, z. B. ein sehr gutes Einfühlungsvermögen in die
Patienten und/oder eine besonders gute Beobachtungsgabe. Über lange Epochen der Geschichte
gab es keine andere Medizin, als diese aus Erfahrung erwachsene Heilkunde.
In den frühen Anfängen der Medizin gab es auch eine enge Verbundenheit mit der
jeweiligen Religion, wie sie auch heute noch bei Medizinmännern und Schamanen zu finden ist.
In Europa sprach man noch bis ins Mittelalter von der "Mönchsmedizin", weil in den
Klöstern das heilkundliche Wissen angewandt und bewahrt wurde. In den Klöstern
entstanden daher auch die heute noch faszinierenden Kräuterbücher, in denen die
Pflanzen- und Heilkenntnisse der damaligen Zeit niedergeschrieben sind.
"Bild aus der poetischen Darstellung der Heilkräuter
von Abt Wahlafried Strabo
im Kloster Reichenau im Jahre 838"
Medizin wurde also über lange Zeit der Geschichte entweder ausschließlich oder
überwiegend von Menschen ausgeübt, die man im heutigen Sinne nicht als Ärzte
bezeichnen würde. Die Wege zwischen Ärzten und heilkundigen "Nichtärzten" trennten sich ein erstes Mal
als in der zweiten Hälfte des Mittelalters die ersten medizinischen Schulen gegründet
wurden ( um 700 n. Chr. erste medizinische Universität in Salerno). Die Zahl der an solchen
Schulen ausgebildeten Ärzte blieb jedoch gering.
Bild: "Leonhart Fuchs, 1501 - 1566, Professor in Tübingen"Die medizinische Versorgung wurde auch in den
folgenden Jahrhunderten überwiegend von den Heilkundigen aus dem Volke getragen.
Erst im 18. und 19. Jahrhundert entwickelten sich die
Schulmedizin und die
Volksmedizin in
verschiedene Richtungen. Ursache hierfür waren die rasch aufeinander folgenden Entdeckungen
der Naturwissenschaften, die in die an den Hochschulen gelehrte Medizin übernommen wurden.
Das traditionelle Erfahrungsgut geriet durch die Erfolge dieser neuen Medizin (Entdeckung des
Tuberkel-Bazillus, Entdeckung des Penicillins usw.) mehr und mehr in Vergessenheit. So setzte
sich schon bald eine Denkweise in der Schulmedizin durch, die nur noch solche Diagnosen und
Therapien gelten lässt, die mit den Methoden der
Wissenschaft erklärbar sind.
Diese Anschauung wurde durch den berühmten Arzt Rudolf
Virchow so eindringlich vertreten,
dass hieraus eine Art
Dogma entstand. Er sagte zum Beispiel: "Sie (die neueste Medizin) hat
nachgewiesen, dass Leben nur ein Ausdruck für eine Summe von Erscheinungen ist, deren jede
Einzelne nach den gewöhnlichen physikalischen und chemischen (d. h. mechanischen) Gesetzen
vonstatten geht.
Sie leugnet die Existenz einer autokratischen (also selbsttätigen)
Lebens- und Naturheilkraft".
Dass die Mehrheit der Bevölkerung dieser neuen dogmatischen Medizin nicht folgte und ihr
misstrauisch gegenüber stand, ist leicht verständlich.
So kam es denn, dass sich trotz der gefeierten Erfolge der neuen Schulmedizin auch
Volksheilkundige und einige wenige anders denkende Ärzte auf die alten Werte und
Grundsätze der Heilkunde besannen und diese neu belebten. Auch heute noch berühmte
Namen wie
Kneipp,
Prießnitz,
Schroth sowie der Arzt Christoph Wilhelm
Hufeland u. a.
waren die Väter dieser neuen volksmedizinischen Bewegung. Der Grundsatz dieser von ihnen
vertretenen Naturmedizin lautet: "
Nicht schaden, möglichst natürlich behandeln und
den Weg der Natur nachvollziehen".
Aus dieser volksmedizinischen Bewegung bildete sich im 19. Jahrhundert der heutige Berufsstand
des
Heilpraktikers heraus, der auch heute noch diesem Grundsatz treu ist.
Die Methoden des Heilpraktikers sind jedoch ebenfalls dem Fortschritt naturwissenschaftler Erkenntnisse gefolgt, so
dass einerseits traditionelle Methoden wissenschaftlich erklärbar wurden
(z. B. die Akupunktur) und neue Therapie-Verfahren hinzu kamen (z. B.
Elektroakupunktur nach Voll = EAV). Insgesamt steht dem Heilpraktiker
heute ein großes Repertoire an Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung,
das in den meisten Fällen des Praxisalltags eine Heilung oder zumindest
doch eine wesentliche Besserung von Beschwerden gewährleistet.
Die vornehmste Aufgabe des Heilpraktikers wird es für die Zukunft sein,
neben seiner heilberuflichen Tätigkeit an der Gesundheitsvorsorge
innerhalb des Gesundheitssystems mitzuwirken. Als Heilpraktiker
innerhalb der
"Gesellschaft Neue Gesundheit" sehe ich eine
Möglichkeit, hierbei einen guten Schritt voran zu kommen.